Step Finance: Fake-VC-Angriff – was Geschädigte wissen sollten

Erstes Quartal 2026, Lissabon. Step Finance, ein Portfolio-Aggregator und Analytics-Dashboard auf der Solana-Blockchain, verliert rund 40 Millionen US-Dollar. Der Angriff erfolgt nicht über eine Smart-Contract-Lücke, sondern durch eine staatlich gestützte Social-Engineering-Kampagne. Angreifer treten als legitime Venture-Capital-Investoren auf, bauen über Monate Vertrauen auf und liefern über einen präparierten Link Zugang zur Schlüsselinfrastruktur. Der Hacken-Quarterly-Report vom 14. April 2026 ordnet den Vorfall als state-sponsored-linked ein.

Wer nach Step Finance, nach dem Fake-VC-Angriff auf DeFi-Protokolle oder nach Rechtsmitteln für geschädigte Investoren sucht, findet bislang wenig juristische Einordnung. Dieser Artikel erklärt daher den Angriffsmechanismus, die behördliche Relevanz und die konkreten Rechtswege, die betroffenen Teams und Investoren offenstehen. Außerdem zeigt er, welche DACH-Bezüge eine Rechtsverfolgung ermöglichen.

Wovor warnt die Aufsicht bei Step Finance und ähnlichen Angriffen?

Beim Step Finance Fake-VC-Angriff griffen die Täter nicht auf einen technischen Exploit zurück. Sie bauten über mehrere Monate eine vollständige Investor-Persona auf — mit Berufsverlauf, Portfolioreferenzen und technisch kalibrierter Sprache. Wochenlange Kommunikation über Telegram und Discord, unterzeichnete NDAs und ausgetauschte Due-Diligence-Materialien schufen ein Vertrauensverhältnis. Dann lieferten sie über einen präparierten Repository-Link initialen Zugriff auf operative Infrastruktur. Folglich war die Treasury dreißig Minuten später leer.

Aufsichtsbehörden wie die BaFin und Strafverfolgungsbehörden ordnen derartige Angriffe als Betrug nach § 263 StGB und als Computerbetrug nach § 263a StGB ein, sofern deutsche Staatsangehörige oder in Deutschland ansässige Investoren betroffen sind. Zudem ist das Angriffsmuster nach den Erkenntnissen des Hacken-Reports mit Gruppen wie UNC4736 (Citrine Sleet) verknüpft, die Sanktionslisten unterliegen. Deshalb sind OFAC-Sanktionen und internationale Rechtshilfeersuchen potenzielle Hebel in der Strafverfolgung.

Welche Erlaubnislücke zeigt der Step Finance-Fall?

Der Step Finance-Angriff zeigt eine regulatorische Lücke: DeFi-Protokolle wie Step Finance unterliegen jedoch keiner Aufsichtspflicht nach § 32 KWG oder MiCAR Art. 59 ff., solange sie rein dezentral operieren. Somit fehlt ein verbindlicher IT-Sicherheitsstandard, der auch Social-Engineering-Vektoren adressiert. Für Investoren bedeutet dies, dass die aufsichtsrechtlichen Schutzinstrumente des regulierten Kapitalmarkts nicht greifen. Folglich hängt die Rechtsverfolgung vollständig von der strafrechtlichen und zivilrechtlichen Durchsetzung ab.

Für DACH-Investoren ist dennoch ein Anknüpfungspunkt gegeben, wenn Kapital aus deutschen, österreichischen oder schweizerischen Quellen in das Protokoll geflossen ist. Daher begründet § 9 StGB die inländische Strafgewalt, sofern der Tatbeitrag ganz oder teilweise im Inland wirksam wurde. Außerdem können auf Solana gespeicherte Vermögenswerte mit deutschem Bezug Gegenstand von Einfrierungsanordnungen nach § 111e StPO sein. Deshalb lohnt eine juristische Prüfung auch dann, wenn der Sitz des Protokolls im Ausland liegt.

Was stellt die Behörde beim Step Finance-Angriff fest – und was nicht?

Der Hacken-Quarterly-Report vom 14. April 2026 dokumentiert den Angriff als state-sponsored-linked und ordnet ihn dem Muster von UNC4736 zu. Was strafrechtlich feststellbar ist: Jedoch zeigt der Vorfall, Der Einsatz gefälschter Identitäten zur Täuschung über Investitionsabsichten erfüllt den Tatbestand des Betrugs nach § 263 StGB. Der präparierte Repository-Link, der Schadcode einschleuste, erfüllt zudem den Tatbestand nach § 263a StGB. Diese Einordnung ist für eine Strafanzeige in Deutschland verwertbar.

Was nicht abschließend feststeht: wer konkret hinter den Angreifern steckt und ob eine vollständige Rückführung der Mittel realistisch ist. Nach Darstellung von in diesem Bereich tätigen Anwälten hängt die Durchsetzbarkeit stark davon ab, ob Blockchain-Spuren zu identifizierbaren Exchange-Konten führen. Dennoch ist eine frühzeitige rechtliche Prüfung sinnvoll, um Verjährungsfristen zu wahren und forensische Beweise zu sichern.

Welche forensischen Ansatzpunkte ergeben sich beim Step Finance-Angriff?

Wer als Investor oder Teammitglied betroffen ist, sollte sofort alle Transaktionshashes der Treasury-Abflüsse sichern. Diese sind auf der Solana-Blockchain dauerhaft einsehbar. Ergänzend empfiehlt sich die Sicherung aller Kommunikationsverläufe mit der Fake-VC-Persona — Telegram-Logs, E-Mails, Discord-Nachrichten, unterzeichnete NDAs. Wenn Mittel über Exchanges weiterbewegt wurden, kann Blockchain-Forensik Transaktionswege bis zu KYC-pflichtigen Plattformen zurückverfolgen.

Einen strukturierten Überblick über Beweissicherungsschritte bietet die Scam-Broker-Übersicht auf kryptoschaden.de. Zudem erläutert der Fachartikel Blockchain-Forensik bei Krypto-Betrug auf anwalt.de die Methoden, mit denen auch Solana-basierte Transaktionswege rekonstruiert werden können. Eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft unter Benennung von § 263 StGB, § 263a StGB und mit Verweis auf den Hacken-Report ist außerdem ein wichtiger erster Schritt.

Was bedeutet der Step Finance-Fall für Personen mit Verlust?

Wer als Investor Kapital in Step Finance eingesetzt hatte und durch den Angriff Verluste erlitten hat, sollte die eigene steuerliche und rechtliche Situation klären. So können realisierte Verluste in Deutschland aus Kryptowerten unter bestimmten Voraussetzungen steuerlich geltend gemacht werden. Außerdem kann ein dokumentierter Betrugsschaden als außergewöhnliche Belastung angesetzt werden. Deshalb empfiehlt sich eine Abstimmung mit einem spezialisierten Steuerberater parallel zur rechtlichen Prüfung.

Den rechtlichen Rahmen für die Rückforderung bei unerlaubten oder kriminell agierenden Akteuren erläutert der Fachartikel Rückforderung von Kryptowerten bei unerlaubten Anbietern auf anwalt.de. Nach Darstellung von in diesem Bereich tätigen Anwälten ist eine koordinierte Strategie aus Blockchain-Forensik, Strafanzeige und zivilrechtlicher Klage in Fällen mit DACH-Bezug der erfolgversprechendste Ansatz. Daher gilt auch hier: rasches und dokumentiertes Handeln in den ersten Wochen nach Erkennen des Schadens.

Ihr Vermögen bei Step Finance ist nicht mehr abrufbar oder eine Auszahlung steckt fest?

Geprüft werden Bankenhaftung, Erlaubnisvorbehalt nach KWG und ZAG sowie Vermögensabschöpfung über die Strafverfolgung. Im Ergebnis erhalten Sie eine geordnete Fall-Architektur statt allgemeiner Versprechen.

Schreiben Sie uns über das Kontaktformular oder per E-Mail an kryptoschaden@rexus-recht.de.

Anna Orlowa, LL.M., Rechtsanwältin und Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht, zertifizierte Spezialistin für Kryptowerte und Steuern