Was steckt hinter der BaFin-Warnung zu SpaceX-Pre-IPO-Aktien — und wie holen Sie Geld zurück?

Die BaFin warnte am 13. April 2026 ausdrücklich vor Angeboten für angebliche SpaceX-Aktien im Vorfeld des erwarteten Börsengangs. Wer bereits Geld überwiesen hat, ist nicht zwingend verloren. Zivilrechtliche Ansprüche aus § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 264a StGB, Bereicherungsansprüche nach § 812 BGB und Ansprüche aus § 826 BGB stehen Ihnen zur Verfügung. Entscheidend sind Beweissicherung und schnelles Handeln.

Am 1. April 2026 reichte SpaceX vertraulich einen S-1-Antrag bei der US-Börsenaufsicht SEC ein. Das Unternehmen von Elon Musk wird derzeit mit 1,5 bis 2 Billionen US-Dollar bewertet. Der NASDAQ gilt als wahrscheinlichster Listing-Ort für das dritte Quartal 2026. Schon im Vorfeld hatten Medien monatelang über den Börsengang spekuliert — und parallel dazu rüsteten Betrüger auf. Sie nutzten die Aufmerksamkeit, um mit gefälschten Angeboten für vorbörsliche SpaceX-Aktien Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu schädigen.

Zwölf Tage nach dem S-1-Filing, am 13. April 2026, reagierte die BaFin mit einer klaren Warnung: Angebote für SpaceX-Aktien vor dem Börsengang über nicht lizenzierte Kanäle stehen außerhalb jedes regulierten Rahmens. Laut stock3 stellte die BaFin klar, dass die meisten Angebote kein reales Gegenstück haben — Anleger erwerben nichts außer einer wertlosen Vertragsurkunde. Ähnliche Warnungen betrafen OpenAI-Aktien (aktuell rund 500 Milliarden US-Dollar Bewertung, IPO-Ziel eine Billion US-Dollar für 2026) sowie Stripe (zuletzt 107 Milliarden US-Dollar).

Ein Milliarden-Betrugsschema mit Vorläufer

Das Muster ist nicht neu, aber gefährlicher als je zuvor. Bereits 2023 verurteilte das US-Justizministerium (DOJ) einen Finanzier zu acht Jahren Haft. Er hatte 50 Investoren um insgesamt 6 Millionen US-Dollar betrogen — mit dem Versprechen, ihnen Pre-IPO-Anteile an SpaceX zu verschaffen, die er selbst nicht besaß. Dieser Präzedenzfall belegt: Das Geschäftsmodell ist ein organisiertes Schema mit klaren Rollen, kein spontanes Kleinkriminalitätsphänomen.

Vier Betrugsmuster dominieren das Bild: Cold Calls mit gefälschter Identität bekannter Bankhäuser, gefälschte Co-Investment-Plattformen und SPV-Verschachtelungen mit bis zu fünf Vermittlerstufen. Dazu kommt Caller-ID-Spoofing, bei dem eine echte Banknummer auf dem Display des Opfers erscheint. MarketScreener berichtete Ende März 2026, dass selbst Käufer vermeintlich echter SpaceX-Privatanteile zunehmend unsicher über den tatsächlichen Besitz ihrer Anteile sind. Das ist ein Indiz für die strukturelle Intransparenz des gesamten Pre-IPO-Markts. Im regulierten Graumarkt herrscht bereits Unsicherheit — im betrügerischen Segment ist das Risiko unermesslich höher.


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Wie erkennen Sie einen Pre-IPO-Betrug mit SpaceX-, OpenAI- oder Stripe-Aktien?

Pre-IPO-Betrug folgt einem erkennbaren Drehbuch. Der Kontakt erfolgt unaufgefordert, das Angebot klingt exklusiv und zeitlich begrenzt, und die Gegenpartei weicht konkreten Nachweisen über BaFin-Lizenz oder Aktienverwahrung aus. Wenn Sie eines dieser Merkmale erkennen, haben Sie es mit einem kriminellen Schema zu tun — nicht mit einer entgangenen Chance.

Warnsignal 1: Der unaufgeforderte Cold Call

Das erste und häufigste Muster ist der Cold Call. Sie erhalten einen Anruf von jemandem, der sich als Mitarbeiter einer bekannten Investmentbank ausgibt. Fidelity, Goldman Sachs, Brookfield oder ähnlich klingende Namen tauchen dabei auf. Die angezeigte Rufnummer stimmt mit der echten Bankhotline überein, weil Caller-ID-Spoofing-Technologie die Nummer fälscht. Der Anrufer erklärt, sein Haus habe Zugang zu einer begrenzten Tranche SpaceX-Pre-IPO-Aktien. Der Zeithorizont ist immer künstlich knapp — oft nennt er eine Frist von 24 oder 48 Stunden. Wer unter diesem Druck handelt, überweist Geld, ohne je die Person am Telefon zu überprüfen.

Warnsignal 2: Gefälschte Co-Investment-Plattformen

Das zweite Muster sind gefälschte Co-Investment-Plattformen. Diese Websites ahmen seriöse Anbieter wie NAO, AlleAktien oder etablierte ELTIF-Vehikel nach. Sie verfügen über professionelle Gestaltung, kopierte Impressen und gefälschte Registrierungsnummern. Seriöse Plattformen wie investnao.com betonen ausdrücklich, dass direkter SpaceX-Aktienhandel für Privatanleger praktisch nicht möglich ist — ein Hinweis, den die Fälschungen bewusst verschweigen. Stattdessen werben sie mit angeblichen SPV-Strukturen, sogenannten Special Purpose Vehicles, die den Zugang zu Pre-IPO-Anteilen bündeln sollen. In der Praxis sind diese SPVs Briefkastengesellschaften ohne jeden realen Aktienbestand.

Warnsignal 3: SPV-Verschachtelungen mit bis zu fünf Ebenen

Das dritte Muster, die SPV-Verschachtelung, verdient besondere Aufmerksamkeit. Eine legitime SPV-Struktur kann im Prinzip existieren — einzelne Privatbanken und Family Offices nutzen sie tatsächlich für Pre-IPO-Investments. Betrüger kopieren dieses Konzept und bauen bis zu fünf Vermittlerstufen ein. Jede Vermittlerstufe kassiert eine Provision, und am Ende der Kette existiert kein einziger echter SpaceX-Anteil. Wenn Sie nach der Kette der Verkäufer, Verwahrstellen und Treuhandkonten fragen und keine klaren, verifizierbaren Antworten erhalten, ist das ein Warnsignal — eines, das Sie nicht ignorieren sollten.

Warnsignal 4: KI-gestützte Stimmklonierung am Telefon

Das vierte Muster, Caller-ID-Spoofing, hat sich 2026 durch KI-gestützte Stimmklonierung weiterentwickelt. Die Anrufer agieren nicht nur mit der Rufnummer einer echten Bank, sondern teilweise mit einer synthetisch erzeugten Stimme. Die WirtschaftsWoche betonte, dass vorbörsliche Investments strukturell intransparent sind und Anleger diese Angebote kaum eigenständig verifizieren können — ein Umstand, den kriminelle Netzwerke systematisch ausnutzen.


Welche Rechtsverstöße begehen die Täter — und was bedeutet das für Ihre Ansprüche?

Die rechtliche Einordnung von Pre-IPO-Betrug ist eindeutig: Die Täter begehen mehrere Straftatbestände gleichzeitig, und aus diesen Strafnormen leiten sich unmittelbar zivilrechtliche Schadensersatzansprüche ab. Sie sind damit nicht auf eine Einigung mit den Tätern angewiesen. Ihre Ansprüche können Sie vor deutschen Zivilgerichten durchsetzen.

§ 264a StGB als direkter Hebel für Schadensersatz

Der Kerntatbestand ist Kapitalanlagebetrug nach § 264a StGB. Diese Norm schützt Anleger ausdrücklich vor falschen oder irreführenden Angaben über Wertpapiere und Anlageprodukte. Wer mit unrichtigen Angaben über die Existenz von SpaceX-Pre-IPO-Aktien oder über vermeintliche Exklusivzugänge wirbt, macht sich nach § 264a StGB strafbar — unabhängig davon, ob er das Geld tatsächlich erhalten hat. Aus dem Verstoß gegen § 264a StGB folgt unmittelbar ein zivilrechtlicher Schadensersatzanspruch nach § 823 Abs. 2 BGB, weil § 264a StGB ein Schutzgesetz im Sinne dieser Norm ist. Sie sind damit nicht auf das allgemeine Deliktsrecht angewiesen.

Hinzu tritt der Tatbestand des Betrugs nach § 263 StGB. Dieser greift, wenn die Täter durch Täuschung über Tatsachen — etwa die angebliche Hinterlegung echter SpaceX-Anteile — einen Irrtum herbeiführen und eine Vermögensverfügung erwirken. Bei organisierten Betrugsringen kommt regelmäßig § 261 StGB (Geldwäsche) hinzu, sobald die ergaunerten Gelder über Kryptowährungen oder Drittstaaten-Konten weiterlaufen. Das erleichtert den Vermögensarrest nach § 73 StGB i.V.m. § 111e StPO, sobald Vermögenswerte lokalisiert werden.

Nichtigkeit des Vertrags und BaFin-Erlaubnispflicht

Auf der zivilrechtlichen Ebene prüfen Sie zunächst die Nichtigkeit des Vertrags. Ein Vertrag, der auf arglistiger Täuschung im Sinne von § 123 BGB beruht, ist anfechtbar — die Anfechtung führt zur Rückabwicklung und zum Rückforderungsanspruch. Wenn der Anbieter keine BaFin-Erlaubnis nach § 32 KWG hatte, ist der Vertrag nach § 134 BGB nichtig. Den überwiesenen Betrag fordern Sie dann nach § 812 BGB zurück — sowohl von den Haupttätern als auch von wissentlich eingebundenen Mittelsmännern.

Die Erlaubnispflichten der BaFin bilden ein eigenständiges Haftungsfundament. Wer ohne die nach § 32 KWG vorgeschriebene Lizenz Finanzdienstleistungen erbringt, handelt nach § 54 KWG strafbar — egal ob durch Vertrieb von Kapitalanlagen oder durch angebliche SPV-Strukturen. Zugleich begründet er nach § 823 Abs. 2 BGB einen zivilrechtlichen Anspruch. Wenn die BaFin-Lizenz des Anbieters auf der offiziellen BaFin-Website nicht auffindbar ist, haben Sie starke Argumente für eine Schadensersatzklage.

Wenn die Täter datenschutzrechtlich relevante Informationen über Sie genutzt haben — etwa durch einen Bankberater mit Zugriff auf Kundendaten —, eröffnet DSGVO Art. 82 einen zusätzlichen Schadensersatzanspruch. Wie Betrugsnetzwerke Daten kaufen und für gezielte Angriffe bündeln, zeigt die Europol-Fallstudie zu einer 700-Millionen-Euro-Zerschlagung.


Wie läuft ein typischer Pre-IPO-Betrug mit SpaceX-Aktien in der Praxis ab?

Ein typischer Pre-IPO-Betrugsfall beginnt nicht mit einem obskuren Anruf aus einem unbekannten Land. Er beginnt mit einem professionell wirkenden Erstkontakt, der auf Sie persönlich zugeschnitten ist. Betrüger recherchieren ihre Opfer vorab: öffentliche LinkedIn-Profile, Handelsregistereinträge, Kapitalmarkt-Newsletter-Abonnements oder Datenlecks aus Finanzplattformen liefern Namen, Berufe und Vermögensverhältnisse.

Phase 1: Der psychologisch präzise aufgebaute Erstkontakt

Der Anruf selbst ist psychologisch präzise aufgebaut. Der Anrufer stellt sich als Senior Investment Advisor einer renommierten Adresse vor — oft eine real existierende, börsennotierte Gesellschaft. Er erklärt, sein Haus habe Zugang zu einer begrenzten Tranche SpaceX-Pre-IPO-Aktien. Da SpaceX mit 1,5 bis 2 Billionen US-Dollar bewertet wird und der NASDAQ-Gang für das dritte Quartal 2026 ansteht, sei das Potenzial außerordentlich. Nur ausgewählte, qualifizierte Anleger kämen infrage — und Sie seien einer davon. Dieser Flattery-Mechanismus senkt Ihre Skepsis. Er ist ein klassisches Element des Social Engineering.

Phase 2: Die leere Simulation als vermeintlicher Beweis

Im zweiten Schritt zeigt man Ihnen eine Plattform oder schickt Ihnen ein Dokument, das professionell wirkt. Das Dashboard zeigt Ihren angeblichen Anteil in Echtzeit — mit täglich aktualisierten Kursen, die den SpaceX-Bewertungsgerüchten folgen. In Wirklichkeit ist diese Oberfläche eine leere Simulation ohne reale Wertpapiere dahinter. Das LG Bamberg hat in seinem Urteil gegen eine Bitcoin-Bande mit gefälschter Handelsplattform exakt dieses Muster beschrieben — die Infrastruktur ist identisch, ob Pre-IPO-Aktien oder Krypto versprochen werden.

Phase 3: Folgeforderungen und die Sunk-Cost-Falle

Im dritten Schritt folgen Forderungen nach weiteren Einzahlungen. Das angebliche Investment hat sich „hervorragend entwickelt“, und nun gibt es eine exklusive Möglichkeit, die Position zu verdoppeln. Alternativ verlangt man eine angebliche „Verwaltungsgebühr“, eine „Steuerrückstellung“ oder einen „Freischaltbetrag“, bevor eine Auszahlung erfolgen könne. Spätestens hier ist das Betrugsschema vollständig erkennbar — aber viele Betroffene zahlen, weil sie ihr bereits investiertes Geld nicht abschreiben wollen. Dieses psychologische Phänomen, bekannt als „Sunk Cost Fallacy“, nutzen die Täter bewusst aus.

Wenn Sie sich am Telefon wiedererkennen, ist die richtige Reaktion einfach: Legen Sie auf. Eine legitime Investition verschwindet nicht, wenn Sie 48 Stunden warten und ein Angebot von der BaFin oder einem Anwalt prüfen lassen. Ein Angebot unter künstlichem Zeitdruck ist nahezu immer betrügerisch. Wann Ihre Bank für bereits erfolgte Überweisungen haftet, erklärt unser Pillar-Artikel zur Bankhaftung.


Sie haben durch eine betrügerische Plattform Geld verloren? Schildern Sie uns Ihren Fall — unsere Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht prüft Ihre Handlungsoptionen. Schreiben Sie an kryptoschaden@rexus-recht.de oder nutzen Sie das Kontaktformular auf kryptoschaden.de.


Welche Sofortmaßnahmen sollten Sie ergreifen, wenn Sie in einen Pre-IPO-Betrug verwickelt wurden?

Wenn Sie erkennen, dass Sie Opfer eines Pre-IPO-Betrugs mit SpaceX-, OpenAI- oder Stripe-Aktien geworden sind, zählt jede Stunde. Die wichtigste Handlung in den ersten 24 bis 72 Stunden ist nicht die Kontaktaufnahme mit den Tätern, sondern die systematische Beweissicherung und die Einleitung rechtlicher Schritte — in dieser Reihenfolge.

Schritt 1: Alle Kommunikation vollständig sichern

Als erstes sichern Sie sämtliche Kommunikation mit den vermeintlichen Investmentberatern: Anrufprotokolle mit Datum, Uhrzeit und Rufnummer; E-Mails, Chatverläufe und Messenger-Nachrichten; Screenshots der Plattform oder des angeblichen Anleger-Dashboards; PDFs, Verträge und Informationsblätter; sowie Kontoauszüge mit den getätigten Überweisungen. Diese Unterlagen bilden die Grundlage aller nachfolgenden zivilrechtlichen Schritte. Eine lückenlose Dokumentation ist erheblich wertvoller als eine unvollständige.

Schritt 2: Bank sofort schriftlich kontaktieren

Als zweites kontaktieren Sie Ihre Bank unverzüglich schriftlich. Wenn die Überweisung innerhalb der letzten 24 bis 48 Stunden erfolgt ist, besteht in einigen Fällen die Möglichkeit eines Recalls — eines Rückrufs durch Ihre Bank. Diese Chance sinkt mit jeder Stunde, da Täter eingehende Gelder sofort auf Drittstaaten-Konten oder in Kryptowährungen weiterleiten. Ihre Bank ist nach § 280 BGB verpflichtet, verdächtige Überweisungen zu prüfen. Verletzt sie diese Pflicht, entstehen eigenständige Schadensersatzansprüche. Reichen Sie Ihre Beschwerde schriftlich ein und fordern Sie Rückmeldung zur Rückbuchungsmöglichkeit.

Schritt 3: Spezialisierten Rechtsanwalt einschalten

Als drittes empfiehlt es sich, einen auf Kapitalmarktrecht spezialisierten Rechtsanwalt einzuschalten. Nur ein Anwalt mit diesen Kenntnissen kann beurteilen, welche Anspruchsgrundlagen zur Verfügung stehen und welche Möglichkeiten der Vermögensabschöpfung nach § 73 StGB i.V.m. § 111e StPO bestehen. Was Blockchain-Forensik bei der Rückverfolgung von Betrugsgeld leistet und wie ein Tracing-Report aufgebaut wird, erklärt unser Grundlagenartikel.


Können Sie Geld von einer nicht lizenzierten Pre-IPO-Plattform zurückfordern?

Ja — auch wenn die Plattform keine BaFin-Lizenz hat, anonym operiert und das Geld längst weiterbewegt wurde, stehen Ihnen mehrere Anspruchsgrundlagen zur Verfügung. Entscheidend ist nicht, ob ein Anspruch besteht, sondern gegen wen er durchsetzbar ist und wie schnell Sie handeln.

Drei Angriffspunkte: Täter, Mittelsleute, Bank

Die stärkste Anspruchsgrundlage gegen die Täter selbst ist § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 264a StGB (Kapitalanlagebetrug). Sobald die Täter identifiziert sind — was durch Blockchain-Forensik, Zahlungsverkehrsanalyse oder internationale Rechtshilfe gelingt —, fordern Sie Schadensersatz in voller Höhe des investierten Betrags zuzüglich Zinsen nach § 286 BGB. Bei sittenwidriger Schädigung, die bei einem organisierten Betrugsring regelmäßig vorliegt, greift zusätzlich § 826 BGB.

Gegenüber Mittelsmännern, die wissentlich an der Weiterleitung der Gelder beteiligt waren, besteht ein Bereicherungsanspruch nach § 812 BGB. Wer ohne Rechtsgrund bereichert ist, hat das Erhaltene herauszugeben — das gilt auch für Plattformbetreiber, die von der Unrechtmäßigkeit der Gelder hätten wissen sollen. Wenn diese Entitäten in der EU ansässig sind, ist eine zivilrechtliche Vollstreckung in der Praxis möglich.

Eine dritte Angriffslinie richtet sich gegen Banken, die verdächtige Überweisungsmuster hätten erkennen sollen — hohe Summen an unbekannte Empfänger im Ausland, ungewöhnliche Frequenz oder fehlende wirtschaftliche Plausibilität. Wenn das Kreditinstitut diese Warnsignale ignoriert hat, besteht ein Anspruch nach § 280 BGB. Ob diese Schwelle erreicht ist, entscheidet sich im Einzelfall und bedarf anwaltlicher Prüfung.

Schließlich ist in manchen Konstellationen § 138 BGB (Sittenwidrigkeit) einschlägig, wenn das gesamte Vertragswerk erkennbar auf krimineller Grundlage errichtet wurde. Ein solcher Vertrag entfaltet keine Rechtswirkungen. Den geleisteten Betrag fordern Sie daher zurück.


Wie funktioniert die Vermögensabschöpfung bei internationalem Pre-IPO-Betrug?

Vermögensabschöpfung bei grenzüberschreitendem Anlagebetrug ist komplex, aber nicht aussichtslos. Entscheidend ist, ob Tätervermögen in einem Rechtshilfestaat liegt und schnell identifiziert wird.

Vermögensarrest und Blockchain-Forensik als Werkzeuge

Auf nationaler Ebene ermöglicht § 73 StGB die Einziehung von Taterträgen. Die prozessuale Umsetzung erfolgt durch vorläufige Sicherungsmaßnahmen nach § 111e StPO — einem richterlich angeordneten Vermögensarrest, der Konten und Wertpapiere der Täter einfriert, bevor ein Urteil ergeht. Dafür braucht die Staatsanwaltschaft oder ein Zivilgericht Anhaltspunkte für die Zuordnung von Vermögenswerten zum Taterlös. Ein professioneller Forensik-Report, der die Geldflüsse vom Opferkonto bis zu identifizierbaren Empfängerkonten dokumentiert, ist das zentrale Beweismittel für diesen Antrag.

Wenn Kryptowährungen im Spiel sind — was zunehmend der Fall ist, da Täter eingehende Überweisungen sofort in Bitcoin, Ethereum oder Stablecoins konvertieren —, spielt Blockchain-Forensik eine Schlüsselrolle. Transaktionen auf öffentlichen Blockchains hinterlassen dauerhafte, unveränderliche Spuren. Sobald eine Wallet mit einer zentralen Krypto-Börse in Verbindung steht, bei der KYC-Daten vorliegen, entstehen konkrete Ansatzpunkte für Identifizierung und Vollstreckung.

MiCAR und BaFin als europäische Hebel

Auf europäischer Ebene verpflichtet die MiCAR-Verordnung zugelassene Krypto-Asset-Service-Provider in der EU, bei Transaktionen verdächtiger Herkunft Meldungen zu erstatten und mit Strafverfolgungsbehörden zu kooperieren. Wenn Täter ihre Gelder über einen regulierten EU-CASP bewegt haben, gibt dieser CASP KYC-Daten gegenüber Behörden heraus. Die BaFin kann zudem unter § 44 KWG Informationen von Instituten abfordern — ein Instrument, das in koordinierten Ermittlungen zunehmend zum Einsatz kommt.


Häufige Fragen: Was sollten Sie bei Pre-IPO-Betrug SpaceX und BaFin-Warnungen wissen?

Ist ein Pre-IPO-Angebot für SpaceX-Aktien grundsätzlich illegal?

Nicht jedes vorbörsliche Angebot ist per se illegal — aber das Gros der Angebote, die Privatanleger in Deutschland im Jahr 2026 über Cold Calls oder nicht lizenzierte Plattformen erreichen, verstößt gegen geltendes Recht. Ein legitimes Pre-IPO-Angebot setzt voraus, dass der Anbieter über eine Erlaubnis der BaFin nach § 32 KWG verfügt oder unter einer einschlägigen Ausnahmeregelung agiert, dass die Anlagebeziehung vertraglich transparent dokumentiert ist und die tatsächliche Hinterlegung oder Reservierung von Anteilen nachweisbar ist. Die BaFin hat am 13. April 2026 ausdrücklich vor Angeboten für SpaceX-Aktien gewarnt, die keine dieser Voraussetzungen erfüllen. Wenn der Anbieter auf Nachfrage keine BaFin-Lizenz vorweisen kann oder eine solche Lizenz auf der offiziellen BaFin-Datenbank nicht auffindbar ist, stufen Sie das Angebot als Betrug ein und zahlen Sie keinesfalls. Wenn Sie bereits gezahlt haben, empfiehlt sich umgehende anwaltliche Beratung.

Welche Ansprüche haben Sie, wenn Sie Geld für angebliche SpaceX-Pre-IPO-Aktien überwiesen haben?

Wenn Sie Geld für angebliche SpaceX-Pre-IPO-Aktien überwiesen haben und sich herausstellt, dass keine echten Anteile hinterlegt waren, stehen Ihnen mehrere zivilrechtliche Ansprüche zur Verfügung. Aus § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 264a StGB folgt ein Schadensersatzanspruch in voller Schadenshöhe gegen die Täter. Den Vertrag selbst fechten Sie in der Regel nach § 123 BGB wegen arglistiger Täuschung an. Nach erfolgter Anfechtung entsteht ein Rückzahlungsanspruch. Wenn der Anbieter keine BaFin-Erlaubnis nach § 32 KWG hatte, ist der Vertrag zudem nach § 134 BGB nichtig, und Sie fordern den überwiesenen Betrag nach § 812 BGB zurück. Hinzu tritt § 826 BGB bei vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung. Welche Ansprüche in Ihrem konkreten Fall durchsetzbar sind, hängt von den Einzelfallumständen ab und ist anwaltlich zu prüfen.

Was ist der Unterschied zwischen einem SPV-Angebot und direktem SpaceX-Aktienbesitz?

Bei einem SPV-Angebot (Special Purpose Vehicle) erwerben Sie keine direkte Beteiligung an SpaceX, sondern einen Anteil an einer Zweckgesellschaft, die ihrerseits SpaceX-Anteile halten soll. Das Problem: Bei betrügerischen Angeboten existiert entweder das SPV nicht, oder es hält tatsächlich keine SpaceX-Anteile — es ist lediglich eine leere Hülle. Selbst in legitimen Fällen haben SPV-Investoren in der Regel weder Stimmrechte noch direkte Information über den tatsächlichen Anteilsbestand. Sie sind vollständig auf die Seriosität des SPV-Betreibers angewiesen. MarketScreener berichtete im März 2026, dass selbst Inhaber vermeintlich echter SpaceX-Privatanteile über deren tatsächliche Existenz im Unklaren waren. Bei fünf Vermittlerstufen, wie sie im betrügerischen Segment üblich sind, ist der Nachweis echter SpaceX-Anteile praktisch unmöglich. Wenn Ihnen ein SPV-Angebot unterbreitet wird, lassen Sie sich mindestens den Gesellschaftsvertrag, den Anteilshalternachweis und die BaFin-Lizenz des Anbieters vorlegen — und prüfen Sie alles anwaltlich.

Können Sie Ihr Geld zurückbekommen, wenn die Plattform im Ausland sitzt?

Ja, das ist in vielen Fällen möglich, erfordert aber spezialisierte Kenntnisse im internationalen Zivilrecht und oft die Einschaltung ausländischer Kanzleien oder Behörden. Wenn die Plattform in einem EU-Staat ansässig ist, gilt die europäische Vollstreckungsverordnung, die Urteile deutscher Gerichte innerhalb der EU vollstreckbar macht. Bei Drittstaaten kommt es auf das jeweilige bilaterale Rechtshilfeabkommen an. Wenn Gelder über Kryptowährungen transferiert wurden, bietet Blockchain-Forensik einen weiteren Ansatz: Durch Rückverfolgung der Transaktionskette identifizieren Experten Wallets, die mit zentralen, regulierten Krypto-Börsen assoziiert sind — und diese Börsen unterliegen KYC-Pflichten, die in Rechtshilfeverfahren ausgeschöpft werden. Auf der nationalen Ebene beantragen Sie nach § 73 StGB i.V.m. § 111e StPO einen Vermögensarrest, sobald identifizierbare Vermögenswerte der Täter in Deutschland oder der EU lokalisiert werden. Je früher Sie handeln, desto höher ist die Chance, dass noch etwas zu sichern ist.

Woran erkennen Sie eine gefälschte Co-Investment-Plattform für Pre-IPO-Aktien?

Gefälschte Co-Investment-Plattformen für Pre-IPO-Aktien weisen mehrere typische Merkmale auf, die Sie bei sorgfältiger Prüfung erkennen. Die BaFin-Lizenz des Anbieters ist entweder nicht angegeben, bei der BaFin nicht auffindbar oder bezieht sich auf eine andere Tätigkeit als das angebotene Produkt — prüfen Sie dies auf der offiziellen BaFin-Datenbank unter bafin.de. Das Impressum nennt eine Adresse, die bei Nachprüfung einem Co-Working-Space oder einem leeren Bürogebäude entspricht. Die Plattform liefert keinerlei nachprüfbaren Nachweis darüber, wo und bei welcher Verwahrstelle die angeblichen SpaceX-Anteile liegen. Renditeversprechen verbinden die Täter mit konkreten Zahlen — „300 % nach dem IPO“ oder „gesichert durch den SpaceX-Börsenwert“ —, obwohl solche Aussagen bei unregulierten Kapitalanlagen rechtlich unzulässig sind. Schließlich ist der Kontakt ausschließlich über Messenger-Apps wie WhatsApp oder Telegram möglich, ohne verifizierbare Telefonnummer oder postalische Adresse. Wenn Sie auch nur eines dieser Merkmale feststellen, verlassen Sie die Plattform sofort und übermitteln Sie keine weiteren Daten oder Gelder.


„Wenn Sie Opfer von Krypto-Betrug geworden sind, zählt jede Stunde. Sichern Sie Ihre Beweise und lassen Sie Ihren Fall von einer spezialisierten Kanzlei analysieren. Kontaktieren Sie uns unter kryptoschaden@rexus-recht.de — Erstanalyse innerhalb von 24 Stunden.“
— Anna O. Orlowa, LL.M., RAin + FAin Bank-/Kapitalmarktrecht, Zert. Expertin Kryptowerte + Steuern