Lirunex: BaFin-Warnung Pig Butchering – was dahintersteckt
Die BaFin warnte im März und April 2026 vor Lirunex Trading — einer Krypto-Handelsplattform unter mehreren Domains (u.a. lirunex[.]online). Die Plattform agiert ohne BaFin-Erlaubnis nach § 32 KWG und ohne MiCAR-Zulassung. Zivilrechtliche Ansprüche nach § 812 BGB sowie § 823 BGB stehen Betroffenen zur Verfügung.
Wer nach „Lirunex Betrug“, „Lirunex BaFin Warnung“ oder „lirunex[.]online Erfahrungen“ sucht, findet hier die rechtlichen Hintergründe. Nach Darstellung der BaFin betreibt die Plattform ein Netzwerk ohne Lizenz nach § 32 KWG und ohne MiCAR-Zulassung. Das Pig-Butchering-Schema folgt dabei demselben Muster wie die zeitgleich gewarnten Plattformen Aurenbridge, alijz und Gainorex — deshalb liegt eine koordinierte Kampagne vor.
Wovor warnt die BaFin zu Lirunex?
Die BaFin erfasste die Plattform in ihrer Massenwarnung vom März/April 2026 als unerlaubt tätige Plattform mit mehreren Domains. Die Erlaubnispflicht nach § 32 KWG greift für jede gewerbsmäßige Finanzdienstleistung an deutschen Anlegern — unabhängig davon, ob der Anbieter einen Sitz in Deutschland hat oder ausländische Domains nutzt. Die Plattform besitzt keine dieser Erlaubnisse; jeder abgeschlossene Vertrag ist daher nach § 134 BGB nichtig. Folglich entsteht daraus unmittelbar ein Rückforderungsanspruch nach § 812 BGB.
Das Netzwerk nutzt professionell wirkende Handelsoberflächen, die manipulierte Kursverläufe und scheinbar hohe Renditen anzeigen. Typische Schadenshöhen liegen laut BaFin im fünf- bis sechsstelligen Eurobereich. Sobald eine Auszahlung beantragt wird, folgen Forderungen nach Gebühren — deshalb sollte keine weitere Zahlung geleistet werden.
Welche Erlaubnislücke zeigt die BaFin-Warnung zu Lirunex?
Die Plattform erbringt Finanzdienstleistungen an deutsche Nutzer ohne die nach § 32 KWG erforderliche BaFin-Erlaubnis. Zusätzlich fehlt die MiCAR-Zulassung als CASP nach Art. 60 MiCAR, die für Krypto-Dienstleistungen an EU-Bürger seit Dezember 2024 verpflichtend gilt. Diese doppelte Erlaubnispflichtsverletzung eröffnet Schadensersatzansprüche nach § 823 BGB i.V.m. § 32 KWG. Daneben steht ebenso der Bereicherungsanspruch nach § 812 BGB aus der Nichtigkeit des Vertrags.
Ergänzend kommt die Bankhaftung in Betracht. Wenn ein deutsches Kreditinstitut eine Überweisung an das Netzwerk ausgeführt hat, ohne die nach der GwG-Novelle 2026 vorgeschriebenen Sorgfaltsprüfungen vorzunehmen, entstehen eigenständige Schadensersatzansprüche gegen die Bank. Folglich haben Betroffene neben dem direkten Anspruch gegen die Täter einen zweiten, unabhängigen Haftungspfad.
Was stellt die BaFin fest — und was nicht bei Lirunex?
Die BaFin stellt fest, dass die Plattform unter mehreren Domains ohne Erlaubnis nach § 32 KWG agiert und Teil einer koordinierten Pig-Butchering-Kampagne ist. Sie stellt ferner fest, dass Auszahlungen systematisch blockiert und mit Gebührenforderungen verknüpft werden. Was die BaFin hingegen nicht feststellt, ist der individuelle Schaden — das ist Aufgabe des Zivilrechts. Dennoch ist die öffentliche Warnung in jedem zivilrechtlichen Verfahren ein starkes Beweismittel.
Nach Darstellung der BaFin verbindet eine gemeinsame technische Infrastruktur das Netzwerk mit den anderen gewarnten Plattformen dieser Kampagne. Das bedeutet deshalb: Wallet-Cluster und Zahlungskanäle dürften sich mit jenen von Aurenbridge, alijz und Gainorex überschneiden. Folglich stärkt jede koordinierte Strafanzeige mehrerer Opfer die gemeinsame Beweisgrundlage.
Welche forensischen Ansatzpunkte ergeben sich bei diesem Pig-Butchering-Betrug?
Alle Kommunikationsverläufe, Screenshots der Plattform sowie Krypto-Transaktionsdaten sind sofort zu sichern. Blockchain-Tracing verfolgt die Wallet-Adressen des Netzwerks auf Exchange-Dienste zurück, was Grundlage für Einziehungsanordnungen nach § 111e StPO ist. Bekannte Wallet-Cluster vergleichbarer Pig-Butchering-Netzwerke sind zudem in der Scam-Broker-Übersicht auf kryptoschaden.de dokumentiert — dort lässt sich prüfen, ob bekannte Täterinfrastrukturen mit diesem Netzwerk verbunden sind.
Für die ersten kritischen Stunden nach Erkennen des Betrugs enthält der Beitrag „Erste Stunden nach Erkennen eines Krypto-Betrugs“ konkrete Handlungsempfehlungen — darunter Beweissicherung, Kontosperrung und die Koordination mit Ermittlungsbehörden. Je früher diese Schritte erfolgen, desto besser ist deshalb die Ausgangslage für eine spätere Rückforderung.
Was bedeutet die BaFin-Warnung für Personen mit Kontakt zu Lirunex?
Wer über die Plattform investiert hat, sollte sofort aufhören, weitere Zahlungen zu leisten. Keine Freigabegebühren, keine Steuervorauszahlungen — alle diese Forderungen sind Teil des Betrugsschemas. Stattdessen empfiehlt sich die unmittelbare Erstattung einer Strafanzeige bei der Polizei sowie eine Meldung an die BaFin. Parallel lohnt sich gleichzeitig die Prüfung, ob die eigene Bank durch mangelnde GwG-Kontrollen eigenständig haftet.
Die Rückforderung von Kryptowerten ist möglich, aber zeitkritisch. Der Beitrag „Rückforderung von Kryptowerten bei unerlaubten Anbietern“ erläutert die wesentlichen Anspruchsgrundlagen und Verfahrensschritte. Somit gilt: schnelles, dokumentiertes Handeln ist die entscheidende Voraussetzung dafür, dass eine Rückführung gelingt.
Bei Lirunex verzögert sich die Auszahlung und der Kontakt bricht ab?
Wir prüfen die Erlaubnislage nach § 32 KWG, § 10 ZAG und MiCAR, die Identitätsketten der Empfängerkonten sowie die Bankenhaftung Ihres Instituts. Sie erhalten eine fall-spezifische Einschätzung mit klarem Erwartungs-Korridor.
Schildern Sie den Sachverhalt schriftlich – über das Kontaktformular oder per E-Mail an kryptoschaden@rexus-recht.de.
Anna Orlowa, LL.M., Rechtsanwältin und Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht, zertifizierte Spezialistin für Kryptowerte und Steuern