Trade Republic SMS-Spoofing: Bankhaftung § 675u BGB – was Geschädigte wissen sollten

Im Februar 2026 verlor Nicolas Keil 18.488 Euro durch Trade Republic SMS-Spoofing: Täter fälschten die Absenderkennung des Neobrokers, inszenierten einen angeblichen Sicherheitsanruf und veranlassten vier Überweisungen. Rechtlich ist der Fall klarer, als Trade Republic bislang kommuniziert — denn nach § 675u BGB und dem BGH-Urteil XI ZR 107/22 liegt die Beweislast für die Autorisierung einer Zahlung bei der Bank, nicht beim Kunden.

Wer nach dieser Masche sucht, fragt sich häufig: Haftet Trade Republic für diese Verluste? Was bedeutet § 675u BGB konkret für Betroffene? Zudem wollen viele wissen, ob eine Rückforderung rechtlich aussichtsreich ist. Dieser Artikel beantwortet diese Fragen daher auf Grundlage der anwendbaren Normen und der einschlägigen BGH-Rechtsprechung.

Was regelt § 675u BGB beim Trade Republic SMS-Spoofing?

§ 675u BGB ist die zentrale Haftungsnorm für nicht autorisierte Zahlungsvorgänge. Er verpflichtet den Zahlungsdienstleister, den Betrag einer nicht autorisierten Zahlung dem Kunden unverzüglich zu erstatten. Eine durch arglistige Täuschung erschlichene Zustimmung ist rechtlich keine wirksame Autorisierung. Deshalb gilt: Wer durch Social Engineering und gefälschte Absenderkennung zur Überweisung veranlasst wurde, hat eine gute Ausgangslage für einen Erstattungsanspruch.

Der BGH hat in seinem Urteil vom 5. März 2024 (XI ZR 107/22) ausdrücklich klargestellt: Die Beweislast dafür, dass eine Zahlung autorisiert war, liegt bei der Bank — nicht beim Kunden. Somit genügt es nicht, dass Trade Republic pauschal auf die SMS hinweist, die angeblich nur Login-Codes enthalte. Vielmehr ist er verpflichtet, positiv nachzuweisen, dass die Überweisungen autorisiert wurden. Folglich steht die Beweissituation regelmäßig zugunsten der Geschädigten.

Welche Erlaubnis- oder Verfahrenslücke schließt § 675u BGB beim Trade Republic SMS-Spoofing?

Trade Republic verfügt seit 2023 über eine BaFin-Vollbanklizenz und ist damit kein App-basierter Börsenzugang mehr, sondern ein reguliertes Kreditinstitut. Deshalb unterliegt der Neobroker sämtlichen Pflichten des Zahlungsdiensterechts — einschließlich der Verpflichtung, bei gemeldeten nicht autorisierten Zahlungen unverzüglich zu reagieren und den Sachverhalt ernsthaft zu prüfen.

Eine weitere Lücke betrifft die Sender-ID-Absicherung: Zahlungsdienstleister können die Absenderkennung ihrer Marke bei Telekommunikationsanbietern registrieren lassen, um Missbrauch durch Dritte zu verhindern. Wer diese Maßnahme unterlässt und damit Tätern ermöglicht, Kunden im eigenen Namen zu täuschen, setzt einen kausalen Beitrag zur Schädigung. Ob das als eigenständige Pflichtverletzung nach § 280 BGB zu werten ist, wird zunehmend von Gerichten ernst genommen.

Was stellt die Rechtsprechung zum Trade Republic SMS-Spoofing fest – und was nicht?

Der BGH (XI ZR 107/22) stellt fest: Beweislast für Autorisierung liegt beim Zahlungsdienstleister. Was die Rechtsprechung hingegen noch nicht abschließend geklärt hat, ist die grobe Fahrlässigkeit nach § 675v BGB im Kontext von SMS-Spoofing. § 675v BGB erlaubt Banken, bei grober Fahrlässigkeit des Kunden die Haftung zu begrenzen. Dennoch ist die Hürde für grobe Fahrlässigkeit bei professionellem Social Engineering hoch.

Nach Darstellung der einschlägigen Rechtspraxis ist der Vorwurf grober Fahrlässigkeit schwer haltbar, wenn Täter gezielt auf die technische Spoofing-Methode setzen und die SMS optisch nicht von authentischer Kommunikation zu unterscheiden ist. Deshalb sind die Erfolgsaussichten einer Erstattungsklage in vielen Fallkonstellationen besser als zunächst angenommen. Zudem schweigt Trade Republic bislang auf konkrete Kundenanfragen — was eine mögliche Verletzung vertraglicher Schutzpflichten nach § 280 BGB darstellt.

Welche forensischen Ansatzpunkte ergeben sich beim Trade Republic SMS-Spoofing?

Wer geschädigt wurde, sollte unverzüglich alle Beweise sichern: Kontoauszüge, SMS-Screenshots und die Kontonummern der Empfängerkonten. Eine Strafanzeige wegen § 263 StGB setzt die Strafverfolgungsbehörden in Bewegung. Sie eröffnet außerdem den Weg zu prozessualen Sicherungsmaßnahmen nach § 111b StPO.

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Was bedeutet Trade Republic SMS-Spoofing für Personen mit Verlust?

Wer durch Trade Republic SMS-Spoofing Geld verloren hat, sollte nicht auf eine freiwillige Reaktion des Neobrokers warten. Selbsteskalation — also wiederholte Kontaktaufnahmen ohne anwaltliche Begleitung — ist hingegen kontraproduktiv. Trade Republic hat im bekannten Fall Nicolas Keil bis heute weder auf Kundenanfragen noch auf Presseanfragen reagiert. Folglich ist anwaltliches Handeln der einzig zielführende Weg.

Nach Darstellung der einschlägigen Rechtspraxis lohnt sich ein koordiniertes Vorgehen aus Strafanzeige, Beweissicherung und zivilrechtlicher Geltendmachung nach § 675u BGB. Zudem bietet der Artikel zur Rückforderung von Kryptowerten bei unerlaubten Anbietern auf anwalt.de einen praxisnahen Überblick über die zivilrechtlichen Optionen.

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Anna Orlowa, LL.M., Rechtsanwältin und Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht, zertifizierte Spezialistin für Kryptowerte und Steuern