Tracing-Bericht
Alle Angaben sind anonymisiert: Namen, Anschriften, Beträge, Zeiträume, Kontodaten, Wallet-Adressen, Kontaktdaten sowie die beteiligten Börsen und Plattformen. Erhalten bleibt die Struktur der Geldflüsse.
Anlagebetrug nach dem „Pig Butchering“-Muster
Der Mandant zahlte über einen Zeitraum von sechs Monaten von seinem Girokonto per SEPA-Überweisung und PayPal auf seine eigenen Konten bei drei regulierten Kryptobörsen ein. Dort wurden die Beträge in die Stablecoins USDC und USDT umgewandelt und auf Wallet-Adressen übertragen, die die Täter kontrollierten. Auf einer gefälschten Trading-Plattform sah der Mandant währenddessen steigende Kontostände.
So lief der Betrug ab
Ergebnis
- Die Kette vom Girokonto über die Börsen bis zu den Täter-Wallets ist lückenlos belegt.
- Die Täter-Wallets sind leer. Eine Rückbuchung auf erster Ebene ist nicht möglich.
- Die Folgeadressen zeigen hohe Volumina und gehören nach Einschätzung zu zentralisierten Diensten (OTC-Desks oder Mixer).
- Die KYC-Daten der beteiligten Börsen sind der wichtigste Ansatz, um die Inhaber zu ermitteln.
Vom Girokonto bis zur zweiten Ebene
Die Grafik fasst die belegten Zahlungswege zusammen. Alle Angaben sind anonymisiert.
Sieben Täter-Wallets, alle geleert
| Nr. | Adresse (anonymisiert) | Phase | Saldo | AML | Weiterleitung an |
|---|---|---|---|---|---|
| W1 | 0x5c1E…a07B | Hauptphase, Hauptadresse | 0,00 USD | hoch | Peeling an 0x6d2A…, 0xB47e…, 0x18cF… |
| W2 | 0x9F3d…11c4 | Frühphase | 0,00 USD | mittel | Sammeladresse K2 0xE05b… |
| W3 | 0x2b7A…e9D0 | Frühphase | 0,00 USD | mittel | Sammeladresse K2 0xE05b… |
| W4 | 0xd04c…7b2a | Zwischenphase | < 1 USD | hoch | Folgeadresse K3 0x4a9D… |
| W5 | 0x71Be…3F05 | Spätphase, Einweg-Wallet | 0,00 USD | hoch | Sammeladresse K4 0xc3F8… |
| W6 | 0xA8e2…c6D9 | Spätphase, Einweg-Wallet | 0,00 USD | hoch | Folgeadresse K5 0x90aB… |
| W7 | 0x3E9f…08bA | Spätphase, Einweg-Wallet | 0,00 USD | hoch | Sammeladresse K4 0xc3F8… |
W2 und W3 leiten an dieselbe Sammeladresse weiter, ebenso W5 und W7. Das belegt eine gemeinsame Täterstruktur.
Saldenmodell
| Einzahlungen per SEPA und PayPal, durch Bankbelege nachgewiesen | 148.620 EUR |
| Transaktionsvolumen nach Umwandlung in USDC/USDT | ca. 192.300 USDT |
| abzüglich belegter Rückflüsse, davon 21.000 USDT als Köder-Auszahlung | − 21.180 USDT |
| Netto-Verlust | ca. 171.120 USDT |
Berücksichtigt sind nur belegte Zahlungen und Transfers. Der auf der Fake-Plattform angezeigte Saldo von 1.084.370,55 USDT und angezeigte „Gewinne“ von +31,8 % je Trade sind Scheinwerte und fließen nicht ein.
Was der Bericht möglich macht
Rechtliche Ansatzpunkte
- Strafverfahren: Strafanzeige mit Bericht. Anregung von Sicherungs- und Auskunftsersuchen nach §§ 94 ff., 111e StPO.
- Börsen (KYC): Sicherung der Identitäts- und Transaktionsdaten zu den Empfänger-Wallets bei den drei Börsen.
- Zieldienste der zweiten Ebene: Auskunftsersuchen an die Dienste hinter den Sammeladressen K2 und K4 sowie den Peeling-Adressen.
- Hausbank: Prüfung von Warn- und Hinweispflichten bei wiederholten Zahlungen an Kryptodienste.
Grenzen der Analyse
- Die Täter-Wallets sind leer. Eine direkte Rückbuchung ist nicht möglich.
- Die Zuordnung der Folgeadressen zu OTC-Desks oder Mixern ist eine Einschätzung, keine Feststellung.
- Die Telefonnummer der Kontaktperson ist eine Prepaid- oder VoIP-Nummer. Eine Identifizierung darüber ist unwahrscheinlich.
- Ob Vermögen gesichert und zurückgeführt werden kann, hängt von den Behörden und den Börsen ab. Eine Rückholung kann niemand garantieren.
Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht Anna O. Orlowa, LL.M.
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